Die Inkubation von Eiern japanischer Legewachteln (Coturnix japonica) ist bei Einhaltung der richtigen Bedingungen ein gut planbarer und zuverlässiger Prozess. Nachfolgend finden Sie eine strukturierte Schritt-für-Schritt-Anleitung für erfolgreiche Schlupfergebnisse.
1. Vorbereitung des Brutgeräts
Reinigen Sie das Innere des Brutgeräts gründlich mit einem milden Desinfektionsmittel (z. B. verdünntem Haushaltsessig oder einem geeigneten Reinigungsmittel für Brutgeräte). Lassen Sie das Gerät anschließend vollständig trocknen. Schalten Sie das Brutgerät mindestens 24 Stunden vor dem Einlegen der Eier ein, um Temperatur und Luftfeuchtigkeit zu stabilisieren. Kontrollieren Sie die Werte mit einem zuverlässigen Thermometer und Hygrometer – unabhängig von den integrierten Anzeigen. Empfohlene Einstellungen:
- 37,5 °C bei Umluft-Brutgeräten
- 38,0 °C bei stillen (nicht belüfteten) Brutgeräten
- 45–55 % relative Luftfeuchtigkeit während der ersten 14 Tage
Stellen Sie sicher, dass das automatische Wendegerät ordnungsgemäß funktioniert. Bei manueller Wendung sollten die Eier mindestens drei Mal täglich gewendet werden.
2. Auswahl und Lagerung der Eier
Verwenden Sie ausschließlich saubere, unbeschädigte und gleichmäßig geformte Eier. Eier dürfen nicht gewaschen werden, da dadurch die natürliche Schutzschicht (Cuticula) beschädigt und das Infektionsrisiko erhöht wird. Die Lagerung ist bis zu 7 Tage bei 12–15 °C möglich. Die Eier sollten mit der Spitze nach unten gelagert werden. Bei längerer Lagerung empfiehlt sich ein vorsichtiges tägliches Wenden ein- bis zweimal pro Tag.
3. Brutphase (Tag 1–14)
Legen Sie die Eier gemäß den Herstellerangaben des Brutgeräts ein. Je nach Modell erfolgt die Lagerung:
- horizontal
- oder mit der Spitze nach unten in leichter Neigung
Die Eier müssen stabil liegen und regelmäßig gewendet werden. Während der Brutphase:
- Temperatur konstant bei 37,5 °C
- Luftfeuchtigkeit 45–55 %
Öffnen Sie das Brutgerät nur bei Bedarf, um stabile Bedingungen zu gewährleisten.
4. Durchleuchten der Eier (Tag 8–10)
Das sogenannte Schieren dient der Kontrolle der Entwicklung. Mit einer geeigneten Schierlampe lassen sich befruchtete Eier erkennen:
- Klare Eier sind meist unbefruchtet
- Sichtbare Adern und ein dunkler Embryobereich deuten auf eine normale Entwicklung hin
Nicht entwickelte Eier sollten entfernt werden, um das Risiko von Schimmelbildung oder geplatzten Eiern zu vermeiden.
5. Vorbereitung auf den Schlupf (Tag 15–16)
Ab dem 15. Tag wird das Wenden der Eier eingestellt. Die Luftfeuchtigkeit wird auf 65–75 % erhöht, um das Schlüpfen zu erleichtern. Das Brutgerät sollte nun möglichst nicht mehr geöffnet werden, da Temperaturschwankungen den Schlupf negativ beeinflussen können.
6. Schlupf (Tag 17–18)
Die ersten Anzeichen des sogenannten „Pip“ (kleines Loch in der Schale) erscheinen meist am 17. Tag. Der vollständige Schlupf kann 12–24 Stunden dauern. Die Küken sollten selbstständig schlüpfen. Eingriffe sind nur mit ausreichender Erfahrung zu empfehlen, da unsachgemäße Hilfe zu schweren Schäden führen kann. Nach dem Schlupf verbleiben die Küken etwa 12 Stunden im Brutgerät, bis sie vollständig getrocknet sind.
7. Erste Tage nach dem Schlupf
Die Küken werden anschließend in eine vorgewärmte Aufzuchtbox gesetzt. Empfohlene Temperatur zu Beginn: ca. 35 °C. Die Temperatur wird wöchentlich um etwa 3 °C reduziert, bis die Umgebungstemperatur erreicht ist. Frisches, sauberes Wasser muss jederzeit verfügbar sein.
Als Futter eignet sich spezielles Wachtel-Kükenfutter mit mindestens 24 % Rohprotein.
Zusätzliche Hinweise
- Das Brutgerät nicht überfüllen – eine gute Luftzirkulation ist entscheidend.
- Das Gerät an einem ruhigen, zugfreien Ort aufstellen.
- Vor direkter Sonneneinstrahlung und hoher Luftfeuchtigkeit schützen.
- Es empfiehlt sich, Brutverlauf und Schlupfergebnisse zu dokumentieren.
